CAPS Wanderweekend 2024 Bericht



Seelisberg

Fotos und Text: Hanspeter Müller

Die Landschaft erobert man mit den Schuhsohlen, nicht mit den Autoreifen. (Georges Duhamel)

. . . oder aber auch mit dem Schiff oder der Bergbahn . . .

 

Das wäre für uns auch am Freitag bei der Anreise aus der Ostschweiz schon das richtige Rezept gewesen, aber manchmal wird am falschen Griff gezogen. Die Fähre Gersau-Beckenried hätte sich angeboten, aber mit dem vorgegebenen Fahrplan – nur immer zur vollen Stunde – konnten wir uns nicht anfreunden, da auf Grund der langsam rollenden Reifen vor uns dieses Ziel nur mit knapper Verspätung erreicht werden konnte. Also entschieden wir uns im letzten Moment in Schindellegi die Route zu ändern, und über den Hirzel, Sihlbrugg, Luzern zu fahren, anstatt irgendwo vor oder in Gersau gemütlich einen Kaffeehalt einzuschalten, um die volle Stunde abzuwarten. Spätestens bei Ebikon bereuten wir unseren Griff zum Zeitsparen. Ab hier machte sich der Ferien- Vorfeierabend- Umleitungs- oder Einkaufsverkehr so stark bemerkbar, dass wir erst nach rund 1 ½ Stunden vor Kriens wieder normal fahren konnten. Merke: nicht immer sind die Autoreifen die schnelleren Eroberer!

 

Trotz allem erreichten wir das Hotel Bellevue in Seelisberg kurz vor Einbruch der Dunkelheit und mussten auch hier feststellen: die Autoreifen beherrschen die expansive Begabung, alle verfügbaren Plätze auch vor dem Hotel für sich in Anspruch zu nehmen.

Aber so langsam wie wir anreisten und die schon anwesenden Wanderfeunde begrüssen konnten so schnell war schon das angesagte Nachtessen im Speisesaal bereit. Und (fast) alle Teilnehmer fanden an den grosszügigen Tischen mit ihren Hunden einen Platz. Nur der Organisator selbst fehlte noch: da die Fähre über den Vierwaldstättersee unter der Woche ab 18:00 h nicht mehr fährt reiste er ebenfalls über Luzern an (Resultate s. Oben).

 

Das feine 3-Gang-Abendessen entschädigte für die vorangegangenen Ärgernisse und wir durften zusammen einen gemütlichen Abend verbringen. Zum Schluss einigten wir uns für einen Start zur samstäglichen Wanderung um 09:00 ab dem Hotel. Und so kamen wir zu einer sehr «christlichen « Zeit noch zu einem individuellen Spaziergang mit den Hunden und einem langen Schlaf.

 

Pünktlich um neun starteten wir 12 Hündeler – die Familie mit dem 12-wöchigen Welpen sollte uns dann in Bauen am Urnersee empfangen – zur rund dreistündigen Wanderung. Wir verlassen das Dorf in südlicher Richtung, vorbei an der Kapelle Maria Sonnenberg, die an diesem Ort auf das Jahr 1589 zurückgeht. Dann vorbei an dem geschichtsträchtigen Hotel-Prunkbau, der jüngst einem indischen Guru gehörte, diese Hotelanlage aber im Jahre 2021 überstürzt verliess – allenfalls um die teuren Sanierungs- und Unterhaltsarbeiten einzusparen, die diesem Komplex seit Jahren gut anstehen würden. Bald schon zweigen wir ab und verlassen die Strasse Richtung bewaldeter Strässchen nach der Marienhöhe mit dem von Weitem sichtbaren Kreuz. Immer wieder bestaunen wir an diesen Stationen die atemberaubende Aussicht hinunter zum Urnersee, diese Aussicht ist auch festgehalten in Bildern, welche den Nationalratssaal schmücken. Nach kurzer Zeit erblicken wir die für den Sonntag vorgesehene Seilbahn nach der Alp Weid. Unterdessen haben sich auch die Wolken und die über dem See liegenden Nebelschwaden verflüchtigt und die Sonne heizt uns schon kräftig ein. Weiter geht es nun immer abwärts, vorbei am fantastisch gelegenen Schloss Beroldingen, und immer wieder sind wir erstaunt über die wunderbare Fernsicht, was uns auch immer wieder zu einer kleinen Verschnaufpause verhilft (auch abwärts bremsen ist anstrengend). Nach knapp 3 Stunden erreichen wir über unzählige Treppentritte, welche unsere Kniegelenke massiv fordern, pünktlich um 12:00 Uhr das Dorf Bauen, direkt am See gelegen. 


Hier erwarten uns im Restaurant Fischli die schon anwesende Welpenfamilie im reservierten Fischerstübli, denn draussen ist es im Moment zu windig, um gemütlich zu speisen. Da wir im Vorfeld schon unsere kulinarischen Wünsche abgegeben haben, werden wir zügig mit Speis und Trank verwöhnt. Nach der obligaten Dessert- und Kaffeerunde machen wir uns auf, an der Anlegestelle unser Kursschiff zu begrüssen. 

Der Raddampfer «Luzern» bringt uns jetzt in einer halbstündigen Reise – und unter wohlig tuendem Sonnenschein – über das Rütli und Brunnen zur Station Treib, wo wir uns in die Reihen der bergwärts fahrenden Touristen einreihen und in der Standseilbahn wieder nach Seelisberg hochfahren lassen. 


Es folgt eine Ruhepause und Erfrischung im Hotel, um pünktlich zum vom Club spendierten Apéro einzutreffen. Das ergibt gleich noch die Gelegenheit, uns mit einem kleinen Geschenk bei Nico für das bis anhin tadellos organisierte Weekend zu bedanken – verbunden mit Hoffnung, dass dies auch noch für den bevorstehenden Sonntag gilt. Aber da tun sich schon die ersten Abgründe auf. Die morgige Wetterprognose ist nicht so reizend, was bedeutet, dass wir für die bevorstehende Alpbegehung wahrscheinlich im Nebel stochern werden. Und auch der Besuch der Alpbeiz birgt Konfliktpotential: wir dürfen mit den Hunden, weil zu klein (nicht die Hunde), nicht hinein und draussen könnte es aus begründeten Widerlichkeiten ungemütlich werden. Wir beschliessen, uns mit einem Rundgang um Oberwald zu begnügen – die Herausforderung war aber auch nicht ohne - rund 300 m Aufstieg und noch ein paar Meter mehr zum wieder hinuntersteigen würden uns erwarten. 


Nun gönnten wir uns aber zuerst das bereits vorbereitete Nachtessen, schwelgten in den Tageserinnerungen und hatten Gesprächsstoff zuhauf, und das meiste drehte sich, wie könnte es anders sein, um unsere super folgsamen, liebenswerten und müden Hunde, die es sich unter dem Tisch allesamt gemütlich machten und auch ihre eigenen Erlebnisse verarbeiteten. Zum Schluss des Abends einigten wir uns noch auf die neue Startzeit für den morgigen Rundgang. Eine Stunde später als heute schien uns angebracht. Und so verabschiedeten wir uns mit den besten Wünschen für eine entspannende Nachtruhe.

 

Am Morgen erschienen alle Teilnehmer ausgeruht und gut gelaunt zum Frühstück und nach dem Check Out füllten wir die Hälfte der Autos, um uns um zehn Uhr zum Seeli zu verschieben. 


Zwei Teilnehmer verabschiedeten sich, die restliche Truppe aus 11 Personen und 6 Hunden machte sich auf den Weg. Die morgendliche Temperatur zum Aufstieg war angenehm und auch den Hunden machte es sichtlich Spass, in den taufrischen Wiesen ihre Runden zu drehen. Und auch auf der heutigen Tour boten sich wieder fantastische Ausblicke ab den speziell angelegten Plattformen – dieses Mal aber auf die schroffen Felsen über dem Vierwaldstättersee und je nach Standort auf Gersau oder Brunnen. Sogar die Mythen zeigten sich heute nicht mehr versteckt und nebelverhangen. Gegen Mittag gelangten wir gelegentlich ausserhalb der bewaldeten Wanderwege und genossen auch hier den Blick beim Abstieg auf Seelisberg, unser Ziel. 


Im Restaurant Bahnhof kehrten wir noch ein, um unseren angestauten Hunger und Durst zu stillen. Das Staunen unter den Gästen war gross, weil sie unsere ruhigen Hunde unter den Tischen kaum bemerkten. So langsam wurde es Zeit, das Weekend zu beenden und die Heimfahrt anzutreten. 


Die zurückgebliebenen Autos wurden wieder beladen und beim Seeli war dann endgültig Schluss, als alle wieder ihre fahrbaren Untersätze behändigen konnten.

 

Uns bleibt zu danken: für die tadellose Organisation, die tollen Gespräche und das gemütliche Beisammensein und das überaus angenehme Zusammenspiel der Hunde!

 

Mein Fazit: ein supertolles Wochenende – ich freue mich auf das nächste Wanderweekend!

 

im Weinmonat 2024 / hpm




 






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